Stark gegen Stress

Sonntag 23. Oktober 2011 von admin

„Wie wird man in einem Fluss mit Stromschnellen, Strudeln und anderen potenziellen Gefahren ein guter Schwimmer?“ (Antonovsky, 1997)

Der Medizinsoziologe Antonovsky entwickelte das Konzept der »Salutogenese«. Es zeigt Einstellungen, die dazu führen, dass Menschen unter identischen Stressbedingungen eher gesund bleiben als andere.
Zusammenfassend nannte er diese Einstellungen, die den Unterschied ausmachen, »sense of coherence« (SOC), Kohärenzsinn.

Drei Faktoren machen demnach den Kohärenzsinn aus; sie gilt es in ihrer Entwicklung zu fördern:

  • Verstehbarkeit: Geschehen wird als strukturiert und erklärbar erlebt.
  • Handhabbarkeit: Die Überzeugung, Ereignisse können eigenständig oder mit Hilfe bewältigt werden.
  • Sinnhaftigkeit: Probleme und Anforderungen werden als Herausforderungen angegangen, weil dies als bedeutsam und wertvoll erlebt wird.

Auch das Konzept der »Resilienz« beschäftigt sich mit den Schutzfaktoren, die Menschen gegenüber den Belastungen des Lebens widerstandsfähig (und damit auch: leistungsfähig) machen. Demnach ist ein weiterer Aspekt in jedem Alter wichtig,

  • das Vorhandensein unterstützender Beziehungen.

Beispielsweise zeigte sich für Kinder »ein wertschätzendes und strukturgebendes Erziehungsklima wichtig, in dem Eltern konsistente und klare Verhaltensregeln geben und den Alltag strukturieren«, über ihre Kinder informiert sind (z. B. über Aufenthaltsort und Kontakte) und sich zugewandt und interessiert zeigen (vgl. Conen 2005).

Stärkende Kontakte können auch (zusätzlich) “Mentoren” außerhalb des Elternhauses sein, wie Lehrer, Verwandte, Therapeuten und andere.

Im Hinblick auf kompetentes Lernen bedeuten diese Überlegungen im Umgang mit Schülern u. a.

  • aktives, selbstständiges Lernen unterstützen, »forschen«
  • Problemlösestrategien entwickeln
  • Selbstwert stärken
  • ermutigende Rückmeldungen geben
  • zielorientiertes, strukturiertes Arbeiten fördern
  • angemessene Leistungsanforderungen stellen
  • Fehler/Misserfolg als Schlüssel für zukünftigen Erfolg sehen
  • das Nutzen von Hilfsangeboten als Kompetenz verdeutlichen

Auch in Lerntherapie und Beratung in meiner Praxis sind das Verstehen von Zusammenhängen (z. B. innerhalb des Lernstoffs, zwischen eigenem Verhalten und Ergebnis), das Stärken des eigenen Kompetenzgefühls (statt Hilf- und Mutlosigkeit), das Entwickeln sinnvoller Ziele sowie der wertschätzende Kontakt von grundlegender Bedeutung.

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Kleine Ruherituale …

Mittwoch 10. August 2011 von admin

… für Kinder und Erwachsene, z. B. an »Übergängen« (nach dem Ankommen, nach dem Toben, vor/nach dem Essen, usw.), zum kurzen Erholen, Umschalten, Ruhe finden. In der Familie kann man auch ein Signal vereinbaren, z. B. Klangschale, Triangel schlagen, Handzeichen, o. ä. für Beginn und Ende; 1 oder 2 Minuten reichen schon.

Anregungen ….

  • 5 mal Ein/Aus-Atmen vor/nach jedem Essen
  • sich angenehme Dinge vorstellen, träumen
  • massieren bzw. Nacken/Schultern/Rücken/Arme/Hände ausstreichen
  • Kopf auf die Arme legen oder Hände vor das Gesicht und einfach nichts tun
  • das eigene Gewicht auf dem Stuhl wahrnehmen
  • den Atemverlauf folgen
  • die Stille/Geräusche hören
  • einen Gegenstand (Muschel, Murmel, Glas, …) betrachten
  • dem eigenen Herzschlag lauschen
  • Übungen aus Entspannungstechniken, wie Autogenem Training oder progressiver Muskelentspannung
  • ruhige Musik hören
  • an den Händen fassen und den eigenen bzw. gemeinsamen Atemrhythmus wahrnehmen

…… und anderes mehr ……

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Ansichtssache!

Sonntag 10. Juli 2011 von admin

„(…), dass Realität nicht das ist, was sie uns zu sein scheint, sondern eine soziale Konstruktion sozialer Akteure.“ (Arist von Schlippe et al., 1995)

Realitäten werden konstruiert – sie existieren nicht unabhängig vom Betrachter, nicht »an sich«.

Einstellungen und Bewertungen sind Teil der Bausteine, mit denen wir unsere Realität aufbauen und daher von zentraler Bedeutung für das eigene Erleben. Es ist ausschlaggebend, wie wir Ereignisse »sehen« und einordnen.

So können wir beispielsweise der selben Reihe zu erledigender Aufgaben als »Herausforderung« begegnen, die unsere Kreativität anregt und Chance für befriedigende Erfolgserlebnisse ist oder als bedrohliche Hürde, die uns erschöpfen und gefangen nehmen wird.

Es kann Kritik einer Lehrerin als Entmutigung und Mangel an Verständnis aufgefasst werden – oder aber als Zutrauen und Hilfe, das eigene Leistungsvermögen weiter zu entwickeln.

Bei mehreren Möglichkeiten der »Sicht der Dinge« ist es daher oftmals sinnvoller zu fragen: Welche Sichtweise ist hilfreich? Und nicht: Wer hat Recht?

Aussagen und Gedanken können demnach danach geprüft werden, ob sie

  • Stress (weiter) steigern und Handeln blockieren oder aber
  • Selbstwert und Handlungskompetenz fördern

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